Stellungnahme zum Verhalten während des Heimspiels gegen München am 12.11.2016

Zaunfahne im Januar 2016

Wie mittlerweile den Meisten unter euch bekannt sein dürfte, verließen wir am vergangenen Sonntag während des Heimspiels gegen München in der zweiten Drittelpause das Stadion. Vorab möchten wir klarstellen, dass es sich hierbei für uns um einen äußerst schmerzhaften Schritt handelte, denn gerade den zehnten Geburtstag unserer Gruppe wollten wir natürlich zusammen mit euch und unserer Mannschaft im Stadion bei einem – auf allen Ebenen – gelungenen Heimauftritt feiern. Leider wurde daraus bekanntlich nichts, da uns seitens der Polizei mit willkürlichen Repressionsmaßnahmen gedroht wurde.

Der Ablauf war dabei der folgende: Mitte des ersten Drittels marschierte ein Ordner durch die erste Reihe auf uns zu und wollte eine „neue, weiße Zaunfahne“ mit einem „1312-Schriftzug“ aus der „zweiten Reihe“ entfernen. Nachdem man ihm während des Spiels erklären musste, dass noch nie eine Zaunfahne in der zweiten Reihe hing und dort auch an jenem Tag keine vorzufinden war, hatte sich die Sache für uns eigentlich erledigt. Zu Beginn der ersten Drittelpause kam der Ordner allerdings wieder, um nun zu spezifizieren, dass es sich um die „Freiheit für Ultras“-Zaunfahne, welche zusätzlich mit vier Händen bestückt ist, handeln würde. Auf die Nachfrage, wieso diese genau heute ein Problem darstelle, hatte er keine Antwort. Zur Klarstellung: Diese Zaunfahne ist nicht nur seit mehr als acht Jahren Teil unseres Materials, sondern seit fast sechs Jahren bei jedem Heimspiel präsent – von Zeit zu Zeit abwechselnd entweder direkt am Zaun oder in der ersten Reihe. Der Ordner verwies stattdessen nur darauf, dass die Polizei bei Nicht-Befolgung seiner Anweisung die Sache auf „ihre Art und Weise Regeln wird“ und wir bis Ende der Drittelpause Zeit hätten, besagte Fahne abzunehmen.

Wir lehnten es zunächst ab, dem nachzukommen und ergänzten, dass wir an sich jederzeit gesprächsbereit sind, allerdings nicht während eines Spiels, sondern nur danach. Doch dies führte dazu, dass die Polizei demselben Ordner den Auftrag erteilte, mit uns ein weiteres Gespräch zu suchen, in dessen Rahmen uns gedroht wurde, dass der „Rädelsführer aus den Gesprächen in unseren Reihen“ mit einem Stadionverbot belegt werden würde, falls die Zaunfahne nicht sofort abgenommen werde. Diese Unterhaltung fand in etwa zur Hälfte der Spielzeit erneut bei uns im Block statt. Wir entschieden uns daraufhin dazu, die Zaunfahne abzuhängen – allerdings aufgrund der beiden folgenden Punkte auch, das Stadion kurz darauf zu verlassen:

  • Diese Zaunfahne hängt bereits seit fast 6 Jahren (!) gut sichtbar an unserem Zaun und rief in der gesamten Zeit keine einzige Diskussion hervor – doch plötzlich würde das Anbringen dieser ein Stadionverbot nach sich ziehen?
  • Der Zahlencode 1312 – den man zwar zugebenermaßen hininterpretieren kann – stellt zudem rein rechtlich keinen Straftatbestand dar, weshalb die Zaunfahne selbst bei einer derartigen Interpretation durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist. Diese Rechtsauffassung bestätigte sogar jüngst das Bundesverfassungsgericht! Darüber hinaus handelt es sich hierbei nicht einmal um die Hauptaussage der Zaunfahne.


Wir befinden uns somit rechtlich auf absolut sicherem Terrain, weshalb das Verhalten der Polizei vollkommen überzogen war und bedingt durch die Urteilsverkündung des Bundesverfassungsgerichts im Mai diesen Jahres auf keinerlei strafrechtlich relevanten Vergehen basierte. Ebenso kann man hier nicht von einer „deeskalierenden“ oder durchdachten bzw. geplanten Aktion sprechen, sondern ausschließlich von reiner Repression.

Das Verlassen des Stadions war somit für uns ein unumgänglicher Schritt, da wir uns der Willkür, die Ingolstädter Polizei würde über dem höchsten deutschen Gericht stehen, entziehen mussten. In einem gesunden Rechtsstaat mit Gewaltenteilung ist es die Pflicht der Polizei, sich mit ihrer Rolle als Teil der Exekutive abzufinden und ihr untersagt, Aufgaben der Judikative wahrzunehmen – geschweige denn, sich über diese hinwegzusetzen. Dies sollte sich auch die lokale Staatsmacht dringend vor Augen führen!

Abschließend bleibt zu sagen, dass wir uns der Bedeutung und der Tragweite der Entscheidung zu diesem Zeitpunkt bewusst waren und akzeptieren, dass diese auch im Nachhinein unter euch noch kontrovers diskutiert wird. Allerdings bitten wir euch, unsere Sichtweise genauso zu akzeptieren, wie wir die eure. Außerdem möchten wir uns noch bei allen bedanken, die weiterhin die Mannschaft unterstützten, um doch noch die drei Punkte gegen München einzufahren. Unsere Spieler wurden bereits unter dem Spiel über die Gründe für unseren verfrühten Abgang in Kenntnis gesetzt.



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